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New Story for 2109

Steffan und das Navi

Man sagt Frauen ja nach, keinen Orientierungssinn zu haben, aber so orientierungslos wie ich es bin, glaube ich ist keine. Vater sagte lapidar, mach dir nix draus, ich find auch nie nach Hause wenn ich im Gasthaus bin, das muss genetisch sein. Ich war froh über diese Ausrede, besonders dann, wenn ich wieder einmal in der Einöde gelandet war.

     Der beste Mann der Welt, nämlich Meiner brachte eines Tages, eines dieser Wundergerät mit nach Hause.

„Speziell für dich gemacht“, meinte er und versuchte mir alle Einstellungen gleich auf einmal zu erklären und das klang so:

„Es ist ganz einfach. Du drückst auf diesen Punkt,“ dabei bedeckte er das ganze Display mit seiner rechten Hand, 

„dann fragt es dich ob du gewillt bist dich an die Straßenverkehrsordnung zu halten.

„Ha?“ sagte ich, „wer fragt mich das???“

„Na das Navi!“ Er war überrascht ob meiner Unwissenheit, meine Frage ignorierte er. 

„Kein Problem“ dachte ich, „das ist ja einfach.“

„Dann gibst Du dort wo „Ziel“ steht dein Ziel ein, drückst auf GO und schon kannst Du losfahren. „

Phantastisch, suuuper, jetzt kann mir nichts mehr passieren und ich brauche auch kein Jausen Packet mehr mitzunehmen, falls ich wieder irgendwie im Nirgendwo  strande. 

Wunderbares System, ich bin begeistert. Mein Ziel war die Dachstein Südwand. Nicht dass ich sie erklettern wollte, nein, ich wollte dort nur zu ihren Füßen malen. Die Türlwand Hütte schien dafür der ideale  Platz zu sein.

Also startete ich mein neues Gerät, das übrigens auf Deutsch „Navi“ heißt und fuhr los. Kaum stand ich in der Ausfahrt unseres Grundstückes sagte eine Frauenstimme im hohen „C“ aus dem schönen hohen Norden:

“Biegen sie links ab und folgen sie der Straße 22 Kilometer lang.“

„Ok“, denke ich mir, „das ist ja nicht schwer, das kann ich“ und rollte langsam auf die „Seeleiten Bundesstraße“ hinaus.

Ich fuhr flott dahin und höre zu meinem Erstaunen die Sopranstimme wieder, die sagte:

„Halten sie sich an die vorgegebene Fahrgeschwindigkeit“. Der Ton kam mir etwas rüde vor.

„Lächerlich das tue ich doch“ teilte ich ihr ebenso scharf mit. Die 50.- Euro Strafe wegen Überschreitung der selbigen, die man mir in polizeilicher Pedanterie aufgebrummt hatte, habe ich praktischerweise verdrängt.

Ich kann so rechthaberische Menschen nicht leiden die immer alles zu wissen glauben, und besonders nicht, wenn man mir das im hohen“C“ ins Ohr schreit.  Die Dame hatte sich da mit der Falschen angelegt.

„In 25 km biegen Sie rechts ab.“

Wie bitte? Was soll das? Schon wieder dieser Befehlston und kein „Bitte“ biegen sie ab.“ Ich kam mir vor wie beim Militär. Außerdem weiß ich doch wohl selbst wie ich auf die Autobahn komme. Ich war empört ob dieser Bevormundung.  

Zehn Meter vor der Kreuzung höre ich dann:

„Jetzt rechts abbiegen“. Ich legte eine Vollbremsung ein, half aber nichts und ich landete in einem Kartoffelacker. Sie ging mir langsam aber sicher auf die Nerven. 

 Ich blieb stehen und versuchte in die Innereien des Navis vorzudringen um mir eine andere Begleitperson zu organisieren. Und tatsächlich, ich fand eine männliche Stimme, namens „Steffan“ und eliminierte sofort diese „Königin der Nacht.“

 Was für eine Wonne, was für eine Wohltat. Er klang weich und samtig und seine Stimme schien meine Seele zu streicheln. Er teilte mir mit, dass ich jetzt bitte 45 km gerade aus fahren soll.

Er sagte doch tatsächlich „bitte“, na geht doch. Einer wunderbaren, gemeinsamen Reise stand somit nichts im Wege. Auch ich bedankte mich bei ihm für jede seiner Anweisungen. Höflichkeit steckt halt an. Meine Tante Mitzi sagte immer:

„Kind sei immer höflich, „Danke“ und „Bitte“ sagen tut nicht weh.“

Irgendwann erreichten Steffan und ich die Abzweigung die uns unserem Ziel immer näher brachte.

„In 5 km bitte links abbiegen“, was ich auch brav tat.

Es war ein herrlicher Tag. Seine weiche Stimme lullte mich ein wenn sie wieder einmal die Entfernung zur nächsten Kreuzung ankündigte. Wir waren ein super Team. Im hochgelegenen Filzmoos, schien der Raureif die Gegend plötzlich in Millionen Diamanten zu verwandeln. Die Zweige der Bäume, der Büsche und den vom Herbst noch übrig gebliebenen Gräsern hatte er ein glitzerndes Mäntelchen übergestreift. Begeistert sagte ich:

 „Steffan schau, ist das nicht herrlich“ aber er antwortete nicht.

„Typisch Mann „dachte ich, „hat keinen Sinn für Schönheit.“ Nach ein paar Minuten kamen wir zu einer Mautstraße die hinauf zur Dachstein Südwand führte. Die Straße wurde immer steiler und wir waren schon auf 1,300 Meter Seehöhe, als Steffan mir abrupt in meine Gedanken fiel.

„Jetzt bitte links abbiegen“ hieß es plötzlich. Das war aber nicht möglich, da sich dort keine Straße, sondern nur Baumwipfel befanden. Also fuhr ich gerade aus weiter.

„Die Route wird neu berechnet“ Hörte ich ihn sagen. Es folgte eine kurze Pause.

     „Jetzt bitte rechts abbiegen.“ Auch das ging nicht, weil dort eine Felswand senkrecht nach oben führte.

      „Die Route wird neu berechnet.“

Aha, jetzt wird er stur, dachte ich.

Von da an wurde mein Beifahrer gesprächiger, eigentlich redete er ununterbrochen.

„Biegen sie jetzt bitte links ab“. Ging nicht wegen 100 Meter Tiefe.

„Route wird neu berechnet“

„Bitte bei nächster Gelegenheit umdrehen.“ Ging nicht weil die Straße, oder „Sträßchen“, nur 4Meter breit ist und ich ja hinauf und nicht hinunter will. 

 Und dann drehte Steffan durch.

„Bitte rechts abbiegen“

„Bitte links abbiegen“.

„Bitte wenden“,

„Neu berechnen, links, rechts, hinauf, hinunter. Langsam konnte ich nur mehr lachen und sagte:

„Steffan, Du bist ein Idiot“. Mir platze der Kragen.

Es war steil, es war eng, links ging’s bis zur nächsten „S“Kurve hinunter, rechts hinauf, danach umgekehrt, rechts hinunter und links hinauf Motorräder überholten mich oder kamen mir entgegen und dieser Komiker hatte nichts anderes im Sinn als mir mit seiner honigsamtenen Stimme dauernd blödsinnige Anweisungen zu geben und auf die Nerven zu fallen.

„Die Route wird neu berechnet“ klang es jetzt fast schon aufsässig aus dem Navi. Ich, riss es aus dem Armaturenbrett und schleuderte es aus dem  Fenster. Aber es traf die Felswand und knallte zurück auf meinen Kotflügel, sodass ich die Delle auf dem Rückspiegel eine Sekunde lang sehen konnte. Endlich sah ich das Dach der Türlwand Hütte hinter einer S Kurve auftauchen. Ich parkte, stieg aus und genehmigte mir einen wohlverdienten Kaffee auf der Terrasse. Dabei lehnte ich mich an die warme Hauswand und sah hinauf zur rot beleuchteten Südwand  Es war herrlich schön. Nach einiger Zeit legte sich so etwas wie Friede über mich. Dann hörte ich eine tiefe Stimme neben mir die sagte;

„Ich glaube das gehört ihnen?“ In seiner großen Hand lag mein geschundenes Navi.

„Ach wie nett von ihnen, danke.“ Sagte ich mit falschem Lächeln und nahm es ihm ab. Dabei entglitt es mir, fiel auf meinen Fuß der ihm einen Kick gab, wodurch es den steilen Hang hinunter segelte.

„So ein Pech, wie schade aber auch“ sagte ich mit enttäuschter Stimme.

Danach nahm ich ein Gläschen Schnaps zu mir und feierte meine neu gewonnene Navi- Freiheit. 


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