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Kätzchen und seine Mami

Eines Tages entschied ich mich, die Türen und Fenster meines Hauses zu streichen, denn nach 20 Jahren war es schon schwierig die Originalfarbe zu erkennen. Unachtsame Füße, Einkaufstaschen und Katzenkrallen hatten unauslöschliche Spuren hinterlassen. Ich kaufte 15 Liter Farbe, 8 Pinsel und eine unendliche Menge Schmirgelpapier. Zuerst nahm ich sämtliche Schlösser und Türschnallen ab und polierte sie auf Hochglanz, nicht ohne hinterher wie ein Rauchfangkehrer auszusehen. Nach zwei Monaten und dicken Muskeln war ich endlich damit fertig. Mein kleines Kätzchen war ständig hinter oder vor mir, entweder stieg ich beinahe auf sie drauf, oder fiel über sie drüber. Sie sprang im Kreis wie eine Irre und war mir, während des Streichens im Weg wo sie nur konnte.

Der volle Farbpinsel fiel, z.B. mit Schwung auf den neuen Parkettboden, sie stieg auf den farbbekleckerten Kübeldeckel und rannte mit den weißen, klebrigen Pfötchen durch das ganze Haus. Die Spuren können noch heute, gegen einen Euro Eintritt von Montag bis Freitag, von 10 bis 12 Uhr besichtigt werden. Die Türen und Fenster glänzten wie neu, ich öffnete eine Flasche Sekt, stieß mit dem Kätzchen auf meinen Erfolg an und fiel tot ins Bett, duschen war nicht mehr drinn.

Am nächsten Morgen entledigte ich mich meines Nachthemds und ging unter die Brause. Zu meiner Überraschung schoss nur kaltes Wasser aus ihr heraus. Die Heizung machte wieder einmal Sparentzchen. Ich ging in den Keller, mein Mann nennt ihn das „Parterre“ weil das besser klingt und fand heraus, dass ich warmes Wasser nur dann bekomme, wenn ich die Heizung abdrehe und auf Brauchwasser schalte. Es war, nebenbei Winter, ich suchte in der Zwischenzeit die untere Toilette auf, denn auch dieses Bedürfnis wollte befriedigt sein. Kätzchen rannte voraus, aus Angst etwas zu versäumen.

Nach einiger Zeit und zwei Kreuzworträtseln später wollte ich hinauf ins Badezimmer gehen um mich zu duschen, denn das Wasser war sicherlich schon warm. Ich drehte mich zur Türe, aber sie war zugefallen und das ohne Türschnallen. Ich hatte sie nicht wieder angeschraubt denn die Farbe war am Tag zuvor noch feucht. Das Fazit, ich hatte mich und Kätzchen eingesperrt. So, was nun. Da stand ich, wie Gott mich schuf und konnte nicht hinaus. In der Zwischenzeit wurde es, dank der abgestellten Heizung, merklich kühler im Raum, was auch Kätzchen zu bemerken schien, denn es wollte unbedingt hinaus ins warme Wohnzimmer, oder es wollte auch nur das sinkende Schiff verlassen, so genau kann man das nicht sagen.

Vor Schreck setzte mich zuerst wieder auf die einzige Sitzgelegenheit die es im Raum gab und wartete bis mein Herz zu klopfen aufhörte und sich mein Gehirn wieder einschaltete um die Situation in der ich mich befand zu analysieren. Durch das große Panoramafenster schien die Sonne herein, der Schnee glitzerte wie millionen Diamanten und der Türkise See lag da als könnte er kein Wässerchen trüben und ich saß auf der Kloschüssel, war verzweifelt, während Kätzchen auf meinen Schoß sprang, alle Krallen in meinen Oberschenkel schlug, ich auf schrie, sie sich vor Schreck abstieß und wieder hinunter sprang. In der Zwischenzeit wurde es im Raum kälter und ich begann zu frösteln.

Ich überlegte ob ich die Türe vielleicht eintreten könnte, aber da sie  nach innen aufging würde der Versuch außer einem gebrochenen Bein nichts bringen. Ich könnte ein Fenster öffnen und um Hilfe rufen, aber es war erstens erst 6 Uhr früh und zweitens, wen sollte ich rufen? Unser einziger Nachbar würde fast sterben vor Vergnügen mich in dieser Situation zu sehen. Er würde sofort die Feuerwehr anrufen und die Vorstellung, dass es im Dorf wie ein Lauffeuer herumgeht:

„Hast du schon gehört, sie haben die nackerte Frau Just aus dem Fenster heraus ziehen müssen, weil sie sich im Badezimmer eingesperrt hat,“ war für mich die schlechteste aller Optionen. Also was tun?

Erst einmal brauchte ich Kleidung, denn in der kurzen Zeit war es schon bitter kalt geworden und die diversen Pelzjacken hingen, für mich unerreichbar, auf der anderen Seite der Türe. Das Einzige, das ich hier fand, war ein Schrank voll mit Schuhen. Dann schweifte mein verzweifelter Blick zum Fenster und sah die Vorhänge. Leinen mit Rosa und weißen Rosen. Ein wunderschönes Muster, aber im Moment unwichtig. In meinem Kopf ratterte es nur:

„Ha! Stoff, Kleidung, Wärme.“ Aber wie bekomme ich sie herunter. Die Vorhangstange hing drei Meter hoch und ich bin nicht einmal 2. Dann entdeckte ich den langen Schuhlöffel der auf der Heizung hing, nahm ihn und stierlte so lange am Vorhang herum bis die ganze Stange herunterfiel und mich an der Schulter traf. Inzwischen schmuste Kätzchen mit meinen Beinen, was mir ein wohliges Gefühl vermittelte. Ich setzte mich wieder auf meinen Thron, entfernte die Vorhangringe von der gedrehten Eisenstange, was Kätzchen wieder veranlasste auf meinen Schoß zu springen. Den rechten Vorhangteil schlang ich um meine Alabasterhüfte und den linken, wie eine Toga um meinen Oberkörper. Ich sah aus wie eine griechische Göttin. Mein Überleben war damit gesichert, aber ich war immer noch eingesperrt. In der Zwischenzeit war es 8 Uhr geworden. Friedl steht erst um 1/2 12 Uhr auf, aussichtslos von ihm Hilfe zu erwarten. Ich brauchte ein Werkzeug, am besten etwas vierkantiges, das ich ins Loch stecken und drehen konnte, dann würde die Türe hoffentlich sofort aufspringen, aber so weit war es noch nicht. Ich durchsuchte den Schuhschrank und fand einen metallenen Schuhstrecker, der aber leider nicht funktionierte, weil er aus Flacheisen war und sich zu sehr durchbog. Dann fand ich einen zweiten Strecker in den edlen Krokoschuhen meines Mannes. Vorne bestand er aus zwei Sandelholzteilen die sich lose bewegen ließen. Ich versuchte sie aus der Verbindungsstange auszuhaken, aber sie hingen fest bis in alle Ewigkeit. Ich drehte, klopfte, stieg drauf, zog an der Stange, aber nichts, es rührte sich nichts. Es gab im Raum keinen anderen harten Gegenstand mit dem ich hätte darauf schlagen können außer der Zentralheizung und die war fix. Zwischendurch kämpfte ich mit meiner Kleidung und der Katze die das alles ungemein lustig fand. Mir blieb nichts anderes übrig, als den Heizkörper zweckentfremdet zu malträtieren. Ich wusste nicht, dass ich derartige Kräfte besaß, denn das Holz brach entzwei und fiel zu Boden. Nun hatte ich das Eisenrohr in der Hand und musste es jetzt nur mehr so biegen, dass es quadratisch wurde und ich es in das Schloss stecken konnte, dann einmal nach linkes drehen und die Türe würde aufspringen. Eine ganz einfache Sache, aaaber: Ich hatte nicht mit der österreichischen Qualitätsarbeit gerechnet. Das 1cm Rohr war zugeschweißt und hatte mindestens einen Millimeter Wandstärke. In der Zwischenzeit war es ½ 9 ) Uhr geworden. Kätzchen wollte sein Frühstück, außerdem musste es wahrscheinlich schon auf sein Sandkistchen gehen. Es sprang an meiner exotischen Robe hoch und ich stand wieder im Freien. Mir war kalt, ich wickelte mich wieder ein, nur dieses Mal ließ ich kein Stückchen Haut unbedeckt, was mich aber in meiner Bewegungsfreiheit hemmte. Mein Liebling schlief inzwischen selig in seinem Doppelbett  im 2. Stock und würde mich nichz hören, also konnte ich nicht auf ihn zählen. Ich nahm das Rohr in beide Hände und schlug damit wie eine Verrückte, Verzweifelte, zu Tode frierende Hysterikerin auf den Heizkörper ein. Die Farbe spritzte zwar vom oberen Rand ab, aber die Stange war immer noch rund. Jetzt war mir alles egal, ich drosch gefühlte Stunden auf ihn ein und plötzlich sprang die Schweißnaht des Rohres auf. Ein Jubelschrei „entfleuchte“ mir, ich sah Licht am Ende des Tunnels. Von jetzt an war ich nicht mehr zu halten. Kätzchen verschwand in die hinterste Ecke des Schuhkastens und ich begann den Heizkörper zu zertrümmern während ich unflätige Schimpfworte zwischen den Zähnen aus mir heraus presste. Das Rohr verformte sich langsam in etwas Quadratisches. Und dann kam der Moment der Wahrheit. Ich steckte den so gemachten Griff in das Loch und glaubte es nicht, aber die Türe sprang auf, Kätzchen sauste in sein Kisterl  und ich folgte ihm in den 2. Stock zu meiner Dusche. Das heiße Wasser lief über meinen Rücken solange bis der Boiler leer war und ich fühlte mich nie wieder so beglückt als in diesem kleinen nassen Raum.

Der neue Heizkörper war ohnedies viel schöner als der alte.

 

 

                             ENDE


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